Startschuss für Forschungskooperation gefallen
Kreis Paderborn (krpb). Wie man die Papierflut in den Verwaltungen dieser Welt wirksam eindämmen, dabei Arbeitsabläufe beschleunigen und auch noch Menschenleben retten kann, wollen die Universität und der Kreis Paderborn unter Beweis stellen. Mobis Pro heißt das Zauberwort und steht für "Mobiles Informationssystem zur Prozessoptimierung in Feuerwehren und öffentlichen Verwaltungen".

Foto: Wollen den Kommunikationsfluss verbessern und Arbeitsabläufe beschleunigen: Hintere Reihe von links: Ulrich Hilkenbach, Leiter der Kreisfeuerwehrzentrale Büren-Ahden, Abteilungsleiter Michael Beninde vom Kreis Paderborn, Prof. Rainer Koch (Universität Paderborn), Dr. Christian Schmidt (DLR), Stephan Prödel und Jens Pottebaum (Universität Paderborn). Vordere Reihe von links: Klaus Büchsenschütz, Fachbereich Öffentliche Sicherheit der Kreisverwaltung Paderborn, Klaus Schäfer, Leitender Branddirektor der Feuerwehr Dortmund, Kai Daniel und Thang Tran von der Technischen Universität Dortmund, Martina Kaster, Silas Graffy, Sascha Schitthof (alle Vomatec).
Die Idee ist einfach und gewinnbringend zugleich: Vieles in Verwaltungen wird immer noch "zu Fuß" erledigt, weil unterschiedliche Datenverarbeitungssysteme im Einsatz sind, die nicht miteinander harmonieren. Ziel von "Mobis Pro" ist deshalb die Optimierung des Datenaustausches. Im Bereich des Rettungswesens kann genau das sogar helfen, Menschen und Gebäude besser zu schützen. Vergangene Woche fiel der Startschuss für das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit mehr als 2 Millionen Euro finanzierten Forschungsvorhabens. Aus dieser übergreifenden Zusammenarbeit von Forschung, Wissenschaft und Praxis sollen zukunftsweisende Lösungen entstehen, die den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Paderborn im bundes- und europaweiten Vergleich stärken.
Dazu erarbeitet die Arbeitsgruppe Computeranwendung und Integration in Konstruktion und Planung (C.I.K.) der Universität Paderborn unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Rainer Koch neue Möglichkeiten zur Vernetzung elektronischer Datenverarbeitungssysteme. Der Kreis Paderborn begleitet die Entwicklung und wird bundesweit als erster Landkreis von den Ergebnissen profitieren.
Exemplarisch werden im Projekt dabei die Daten- und Informationsflüsse zwischen Bauamt und Feuerwehr/Rettungsdienst betrachtet. So sind z. B. bei Bauanträgen das Bauaufsichtsamt und die Feuerwehr mit der Abteilung vorbeugender Brandschutz beteiligt. Was liegt da näher, als einmal die Daten zu erfassen und diese dann allen Beteiligten zur Verfügung zu stellen. Die Verwendung moderner Geräte wie Tablet PCs und Laptops machen es möglich, die notwendigen Daten "vor Ort" sofort digital zu erfassen und zu übertragen. Dadurch entfällt die spätere aufwendige Übertragung der Daten in den Computer. Das erspart viel Papier und Zeit, Fehler können vermieden werden.
"So richtig bewährt sich das System auch im Falle eines Brandes. Dann kann es helfen, Menschenleben zu retten", erklärt Abteilungsleiter Michael Beninde. Dieselben modernen Technologien, die in der Datenerfassung zur Anwendung kommen, können entscheidend zur Informationslage der Rettungskräfte genutzt werden. So werden beispielsweise im Rahmen der Begehungen durch das Bauamt sämtliche Daten über das betroffene Haus wie z.B. Lage, Grundrisse und Raumaufteilung, gespeichert und stehen somit auf Knopfdruck zur Verfügung. Die Leitstelle sorgt im Notfall dafür, dass die Einsatzkräfte vor Ort mit den entsprechenden Informationen versorgt werden. So wissen die Rettungskräfte dann beispielsweise ganz genau, wo sich in Wohnhäusern die Kinder- und Schlafzimmer befinden oder in Gewerbegebieten Gefahrenstoffe eingelagert sind. "Eine sichere, robuste und stete Verbindung zu den Datenquellen in der Leitstelle und der Verwaltung über moderne Funknetztechnologien gehört daher zu den vorrangigen Zielen des Forschungsprojektes", erklärt dann auch Dipl-Ing. Stephan Prödel von der Universität Paderborn.
Von den Ergebnissen profitieren Bürger und Bürgerinnen somit auf vielfältige Weise: Von effektiveren Abläufen z. B. im Baugenehmigungsverfahren bis zum optimierten Vorgehen der Rettungskräfte im Einsatzfall.
Das Forschungsvorhaben begann in der vergangenen Woche offiziell mit einer Eröffnungsveranstaltung im Paderborner Kreishaus, zu der Abteilungsleiter Michael Beninde die beteiligten Organisationen und Unternehmen sowie Vertreter des Projektträgers Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie eingeladen hatte. In der mehrstündigen von Dipl.-Ing. Stephan Prödel (Uni-PB) moderierten Veranstaltung wurde der Grundstein für eine erfolgreiche zukünftige Zusammenarbeit gelegt.
Von dem Fördervolumen in Höhe von rund zwei Millionen Euro entfällt ein Großteil auf die lokalen Partner Universität Paderborn und den Kreis Paderborn. Zu den weiteren Projektpartnern zählen die Feuerwehr Dortmund als weiterer Anwender, der Lehrstuhl für Kommunikationsnetze der Technischen Universität Dortmund von Prof. Dr.-Ing. Christian Wietfeld und das Bad Kreuznacher IT-Systemhaus Vomatec International GmbH.
Quelle: Wochenspiegel-Paderborn vom 11.04.2008

